Arbeitswissenschaftliche Kenntnisse der Werften zehn Jahre nach dem „Schiff der Zukunft“.

Rolf Herrmann

Arbeitsbereich Schifffahrtsmedizin im Hamburg Port Health Center des

Zentralinstitutes für Arbeitsmedizin Hamburg.

Die arbeitswissenschaftlichen Kenntnisse der Werftmitarbeiter abzuprüfen und zu beurteilen soll nicht Aufgabe dieses Vortrages sein.

Es wird vielmehr über einige dem Vortragenden zugängliche Entwicklungsvorschläge aus der damaligen Arbeitswissenschaftlichen Begleitforschung zum Thema „Schiff der Zukunft“ („SdZ“) berichtet und auf ihre begonnene sowie z.Z. noch vorhandene Anwendung eingegangen.

Die Inhaltsschwerpunkte sind:

1. Aufbautengestaltung.

2. Gestaltung der technischen Arbeitsplätze.

3. Brückengestaltung.

4. Rettungsmittel.

Zu 1. Die im „SdZ“ angestrebte und damals auf einigen Schiffen begonnene Umgestaltung des Wohn- und Freizeitbereiches von sozialen Kontakträumen bis hin zur Farbgebung hat sich langanhaltend nicht durchgesetzt. Ursache dafür sind nicht nur die dadurch entstehenden höheren Bau- und Betriebskosten, sondern auch die auf vielen Schiffen in den vergangenen Jahren deutlicher werdende unterschiedliche Besatzungsstruktur mit immer weniger deutschen Seeleuten.

Zu 2. Die Gestaltung der technischen Arbeitsplätze hat Fortschritte erkennen lassen, die bis heute beibehalten wurde und auch auf Fahrzeugen erkennbar sind, die nicht für unsere Flagge gebaut wurden. Ursächlich scheint dabei die Erkenntnis des wirtschaftlicheren Einsatzes zu sein. Reparaturzeiten werden kürzer möglich und die einfachere vorbeugende Wartung verlängert die Standzeiten. Auch die immer deutlichere Verlagerung des Schiffbaues auf die weltweite Werftkapazität hat hier „SdZ“-Erkenntnisse in den internationalen Schiffbau einfließen lassen.

Zu 3. Hier haben die Forschungsergebnisse einen deutlichen, bis heute anhaltenden Einfluss nicht nur auf die deutsche Schiffbautätigkeit gehabt. Abgesehen von der Farbgebung, die starken Modetendenzen unterworfen zu sein scheint, sind viele „SdZ“-Komponenten weltweit anzutreffen. Recht eindeutig ist hier ein wichtiger Vorgang erkennbar, der für die Umsetzung von Erkenntnissen in die Praxis sehr erfolgreich erscheint. Im Laufe der Zeit entstand eine internationale Normreihe über Gestaltung und Einrichtung von Schiffsbrücken. An dieser Norm haben Experten mitgewirkt, die auch schon starken Einfluss auf das damalige Forschungsergebnis hatten.

Zu 4. Das Forschungsprodukt Rettungssatellit hat in geringfügig anderer Art als Freifallrettungsboot einen durchschlagenden internationalen Erfolg bei Frachtschiffen gefunden. Es ist heute der gängige Rettungsboottyp. Ursache für den Erfolg war hier weder eine Norm noch die größere Sicherheit für die Besatzung, sondern ein Wirtschaftlichkeitsfaktor. Das Freifallboot ließ bei vielen Schiffstypen eine andere Positionierung der Aufbauten zu und dadurch wurde Containerstauraum geschaffen.

Mit einigen Bildern wird während des Vortrages versucht, die Aussagen deutlicher zu machen.


Cap San Marco. Neubau 2001 Korea, Kapt. Harms, Reederei Herr Hörnicke, Photogenehmigung Reederei Herr Deichmann.

Besatzung 22 Mann davon 2 bis 4 x DL

5 Polen 13 Kiribati.


Angaben zur Person Rolf Herrmann

Rolf Herrmann, geboren am 30.11.37 in Hamburg.

Die berufliche Laufbahn begann mit einer Lehre zum Schiffsmaschinenschlosser auf der Hamburger Stülcken-Werft.

Nach der Lehre folgte Fahrzeit auf Motor- und Turbinenfrachtschiffen als Ing-Aspirant. Im Wechsel mit Fahrzeiten als III. und II. Ing. auf überwiegend Turbinenschiffen schloss sich das geteilte Studium zum Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik an.

Seit 1966 Arbeit an der Abteilung für Schiffahrtsmedizin des Bernhard-Nocht-Institutes als technischer und später wissenschaftlicher Angestellter (die Abteilung wurde später dem Zentralinstitut für Arbeitsmedizin, Hamburg, angegliedert).

Zu den Aufgaben gehörte angewandte Forschung u.a. auf den Gebieten Lärmbelastung, Wasserhygiene, Arbeitsbelastung, Arbeitsplatzgestaltung und Rettungsmittel.

Die gewonnenen Ergebnisse wurden durch inzwischen mehr als 120 Veröffentlichungen und Gremienarbeit einschließlich nationaler und internationaler Normung umgesetzt.